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«Ich beneide die YOG-Athleten»

Stéphane Lambiel steht an den Youth Olympic Games in Lillehammer (12. bis 21. 2. 2016) als «Athlete Role Model» im Einsatz. Der Olympia-Silbermedaillengewinner von Turin 2006 wird mit den YOG-Athletinnen und –Athleten in Norwegen seine Erfahrungen teilen und auch Eiskunstlauflektionen erteilen.

Du bist zum zweiten Mal als «Athlete Role Model» an den Youth Olympic Games (YOG) dabei. Was hat dich erneut zur Teilnahme bewogen?
Stéphane Lambiel: Meine Erfahrung als «Athlete Role Model» in Innsbruck war sehr positiv. Mir gefällt der direkte Kontakt zu den Sportlern. Ich kann ihnen von meinem Werdegang erzählen und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen. Das Bildungsprogramm an den YOG ist toll. Sobald man an einem Wettkampf mit mehreren Disziplinen teilnimmt, ändert sich der Rhythmus: Es herrscht Offenheit, die Athleten kommen aus verschiedenen Ländern und haben einen unterschiedlichen Hintergrund.

Als «Athlet Role Model» wirst du dich mit den jungen Sportlern austauschen und unterhalten. Hast du auch andere Aufgaben?
Ja, ich werde in Lillehammer Eiskunstlauf- Lektionen erteilen und mit den Jugendlichen Zeit auf dem Eis verbringen. Ich werde aber auch die Wettkämpfe besuchen und dort das Geschehen miterleben können. Ich liebe es, die Leistungen der Athleten zu beobachten und sie zu unterstützen.

Was rätst du den jungen Schweizer Athleten, die für Lillehammer 2016 selektioniert sind?
Mein Rat ist: gut vorbereitet anzureisen und in Topform in Lillehammer einzutreffen. Vor Ort gilt es, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren, vor allem aber auch, offen zu bleiben und dieses Erlebnis als tolle Erfahrung zu geniessen. Falls sie eines Tages die Gelegenheit haben, an Olympischen Spielen teilzunehmen, werden die jungen Athleten von dieser ersten Erfahrung an den YOG wirklich profitieren können. Ich rate ihnen deshalb, die YOG in Lillehammer voll auszukosten und mit Herz, mit Leib und Seele dabei zu sein.

Wirst du angesichts der jungen Sportler an den YOG etwas wehmütig? Du hast an Olympischen Spielen ja so viel erlebt.
Ich würde nicht sagen «wehmütig», aber ich beneide die jungen Athleten, die an einem solchen Anlass an den Start gehen dürfen. Ich hoffe wirklich, dass sie das Beste daraus machen und es zu 100 Prozent geniessen können. Das wünsche ich ihnen.

2014 hast du in Champéry (Wallis) eine Eiskunstlaufschule eröffnet. Was gefällt dir besonders am Unterrichten?
Ich habe bereits früher Seminare geleitet und so mit dem Unterrichten begonnen. Mir wurde schnell klar, dass ich meine Eislaufkenntnisse sehr gerne vertiefen würde, indem ich die Grundlagen zu verstehen versuche, z. B. in welchem Muskel die Bewegung entsteht. Wenn man talentiert ist, ist einem nicht unbedingt bewusst, was man tut. Alles geschieht automatisch. Wenn man unterrichtet, haben vielleicht nicht alle Schüler dieselben Fähigkeiten. Deshalb muss man die Grundlagen verstehen und ihnen vermitteln, wie sie die Bewegungen genau spüren können. Das weiterzugeben ist eine sehr präzise und persönliche Sache.