Die 17-jährige Stabhochspringerin Angelica Moser gehört zu den 19 Schweizer Talenten, die vom 16. bis 28. August 2014 an den Youth Olympic Games in Nanjing teilnehmen.
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Die 17-jährige Stabhochspringerin Angelica Moser gehört zu den 19 Schweizer Talenten, die vom 16. bis 28. August 2014 an den Youth Olympic Games in Nanjing teilnehmen.

Angelica Moser: «Mein Ziel ist es, eine Medaille zu gewinnen» Angelica Moser: «Mein Ziel ist es, eine Medaille zu gewinnen»

19 junge Schweizer Athletinnen und Athleten nehmen von 16. bis 28. August in Nanjing (China) an den zweiten Summer Youth Olympic Games teil. Die Stabhochspringerin Angelica Moser führt die Schweizer Delegation als Fahnenträgerin an. Mit 4.32 Meter hat die 17-jährige Zürcherin eben erst einen neuen U-20-Schweizer-Rekord aufgestellt und gilt an den YOG als Medaillenanwärterin. Die Qualifikation in Nanjing bestreitet Angelica Moser am 20. August, den Final am 23. August.Vom 16. bis 28. August 2014 finden die zweiten Summer Youth Olympic Games in Nanjing (China) statt.

Wie blickst du den Youth Olympic Games in Nanjing entgegen?
Ich freue mich auf die Spiele und bin optimistisch für meinen Wettkampf. Ich konnte vor der Abreise mehrere Tage in Magglingen trainieren und von der guten Infrastruktur dort profitieren. Ich bin bereit!

Bist du jeweils nervös vor einem Wettkampf?
Ja, und ich werde auch in Nanjing ziemlich nervös sein - am Tag vor dem Wettkampf besonders. Das weiss ich jetzt schon, denn es ist immer so bei mir vor einem wichtigen Anlass. Wenn ich dann aber im Stadion, auf der Tartanbahn stehe, ist die Nervosität verflogen.

Sind die YOG in Nanjing der grösste Anlass, an dem du je teilgenommen hast?
Ich denke schon. Das European Youth Olympic Festival letztes Jahr in Utrecht war auch schon gross, doch in Nanjing sind Sportler aus der ganzen Welt dabei und wir sind viel länger von zuhause weg. Das wird interessant, und ich freue mich auf das Zusammensein mit den anderen Athleten aus dem Swiss Olympic Team und auch darauf, Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Ländern kennenzulernen.

Du hast eben erst den Schweizer U-20-Rekord auf 4.32 Meter verbessert. Mit welchen Ambitionen trittst du in Nanjing an?
Mein grosses Ziel ist es, eine Medaille zu gewinnen. Die Voraussetzungen sind gut, soviel ich weiss ist mit der Venezolanerin Robeilys Peinado in Nanjing nur eine Konkurrentin am Start, die bereits höher gesprungen ist als ich. Doch natürlich muss auch meine Tagesform stimmen, damit ich mein Ziel erreiche.

Wie bist zum Stabhochsprung gekommen?
Mein Vater war Zehnkämpfer, und auch meine Mutter ist Leichtathletin. Als Kind nahm ich an Leichtathletik-Mehrkämpfen teil, vor allem aber widmete ich mich dem Kunstturnen. Als meine zwei Jahre ältere Schwester dann mit Stabhochsprung begonnen hat, wollte ich das auch versuchen, und es hat mir sofort Spass gemacht.

Wäre auch eine andere Disziplin in Frage gekommen?
Ich hätte mir schon vorstellen können, Mehrkämpferin zu bleiben, 2013 erreichte ich an der Schweizer Meisterschaft Rang 2. Aber der Stabhochsprung gefällt mir am besten weil er so vielseitig ist. Stabhochsprung braucht Schnelligkeit, Kraft, Körpergefühl und man fliegt dabei auch noch!

Was macht Stabhochsprung so schwierig?
Die einzelnen Elemente zu einer fliessenden Bewegung zu verbinden ist anspruchsvoll. Vom Beginn des Anlaufs bis zur Landung auf der Matte muss alles zusammenpassen.

Welches sind deine Vorbilder?
Renaud Lavillenie und Yelena Isinbajewa…

…die beiden Weltrekordhalter.
Lavillenie mag ich, weil er trotz der Erfolge am Boden geblieben ist. Und Isinbajewa ist einfach die beste Stabhochspringerin, die es je gegeben hat.

Du warst auch als Kunstturnerin erfolgreich, wieso hast du beschlossen, dich künftig nur noch auf Stabhochsprung zu konzentrieren?
Spätestens nach dem Gewinn der Goldmedaille am EYOF in Utrecht war klar, dass ich auf Stabhochsprung setze. Die Erfolgsaussichten sind in der Leichtathletik einfach besser. Im Kunstturnen hätte ich mich schon als kleines Mädchen einem Kader anschliessen müssen, um richtig gefördert zu werden. Das wollte ich damals nicht, es hat mir in meinem Verein in Frauenfeld zu gut gefallen und ausserdem hätte ich jeweils weit fahren müssen. Später in ein Kader zu wechseln ist im Kunstturnen leider nicht möglich.

Was hast du beim Turnen gelernt, das dir jetzt beim Stabhochsprung hilft?
Beim Kunstturnen habe ich mir Kraft, Körpergefühl und Disziplin angeeignet –all das hilft mir beim Stabhochsprung enorm.

Was fehlt dir ohne Kunstturnen?
Ich vermisse natürlich die Kolleginnen und Kollegen aus dem Turnverein. Die sehe ich jetzt nicht mehr so oft. Aber ich gehe immer noch einmal pro Woche ins Turntraining und halte so den Kontakt zu den alten Freunden.

Wie sieht eine normale Woche bei dir aus?
Wenn ich nicht an einem Wettkampf oder in einem Trainingslager bin, gehe ich unter der Woche jeweils morgens am Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in den Unterricht, am Nachmittag trainiere ich dann in Zürich je nach Programm Kraft, Schnelligkeit, Sprungkraft usw. Die Lehrer sind sehr verständnisvoll bei Abwesenheiten wegen des Sports. In der Klasse gefällt es mir ebenfalls, wir sind viele Sportler mit einer ähnlichen Mentalität und ähnlichen Zielen.

Welches sind deine Ziele nach Nanjing?
Zunächst steht die Nachwuchs Schweizer Meisterschaft auf dem Programm - wobei diese für mich nicht höchste Priorität geniesst, danach folgt der Formaufbau für die Hallensaison im Winter und 2015 findet die U20-EM in Schweden statt, an der ich teilnehmen möchte.

Und 2016 finden dann die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt…
Es wäre natürlich fantastisch, in Rio dabei zu sein, doch möglicherweise kommen die Spiele 2016 für mich noch zu früh. Die Teilnahme in Tokio 2020 ist wohl realistischer, auch wenn es bis dahin noch sechs Jahre dauert. Leichtathleten sind ja normalerweise nicht mit 20 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, daher habe ich noch Zeit.

Mehr Infos zu den Youth Olympic Games Nanjing 2014:
Wettkampfplan: www.swissolympicteam.ch/yog
Resultate: www.nanjing2014.org/en oder www.swissolympicteam.ch/yog
Fotos und Videos: Auf Facebook und Instagram
Live-Streaming: www.olympic.tv