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Projekt 2026: Nun liegt es an den interessierten Regionen

Swiss Olympic hat am 20. April 2016 im Olympischen Museum in Lausanne eine Informationsveranstaltung zum nationalen Nominierungsverfahren einer Schweizer Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2026 durchgeführt. Die interessierten Regionen erfuhren dabei, welche Hauptkriterien ein Kandidaturprojekt berücksichtigen sollte.

Dass die Informationsveranstaltung für die möglichen Interessenten im Olympischen Museum in Lausanne abgehalten wurde, hatte symbolischen Charakter. Es ging darum, einen ersten Überblick bezüglich Terminen und Selektionsprozessen zu verschaffen. Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild stellte klar: «Den Entscheid, ob die Schweiz eine Olympia-Kandidatur stellt, fällt nicht Swiss Olympic. Das muss von den Regionen kommen», sagte der Basler. Bislang ist bekannt, dass drei Kandidaturen offiziell mit der Ausrichtung liebäugeln: jene des FC-Sion-Präsidenten Christian Constantin aus dem Wallis, eine aus Wirtschaftskreisen lancierte aus Graubünden und ein dezentrales Projekt einer Interessengemeinschaft um den Gstaader Bauingenieur Kurt Iseli. Zudem könnte eine Projektidee aus der Region Genfersee lanciert werden.

Die Konturen sind noch ziemlich unscharf. Deshalb organisiert Swiss Olympic nach Ablauf der Meldefrist vier Workshops zwischen Juni und Oktober. «Die Idee ist, mit Kandidaten zu diskutieren, herauszufinden, warum und wie sie die Olympischen Spiele organisieren wollen», erklärte Schild. «Das haben wir bislang noch nie so gemacht. Wir glauben, dass der Ideenaustausch eine gute Sache ist. Zudem wird unter den Konkurrenten eine gesunde Rivalität geschaffen.»

Nach dem Ende der Workshops haben die (weiterhin interessierten) Regionen oder Städte bis Mitte Dezember 2016 den Fragebogen von Swiss Olympic zu beantworten, und sie müssen ihr Projekt weiter vorantreiben. Danach gilt es, bei der Bevölkerung Überzeugungsarbeit zu leisten, falls es zu Volksabstimmungen kommen sollte. Diese würden voraussichtlich im ersten Semester 2017 stattfinden. «Es gibt immer Politiker, die sich für Olympische Spiele interessieren. Aber das letzte Wort hat das Volk», so Schild.

Sollten die Kandidaturen die Hürden einer möglichen Volksabstimmung meistern, würde Swiss Olympic spätestens im September 2017 den Sieger bestimmen. «Ich bin guter Hoffnung, dass es ein Projekt gibt, das die Farben der Schweiz im Sommer 2019 (wenn der Austragungsort der Olympischen Spiele 2026 vergeben wird) würdig vertritt», so Schild. «Es kann aber auch sein, dass wir keine Kandidatur einreichen. Zum Beispiel dann, wenn kein Projekt entsteht, das sich gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen kann.» Ein Kernpunkt wird sein, die Austragungsorte zu zentralisieren. «Wir möchten ein Projekt, das eine ganze Region vereint und hinter dem die ganze Schweiz steht. Ansonsten haben wir keine Chance. Unter anderem darüber werden wir mit den Kandidaten an den Workshops diskutieren.»

Optimistischer Schild

Auch wenn die Organisation von Olympischen Spielen die Massen nicht mehr träumen lässt, gibt sich der Swiss-Olympic-Präsident optimistisch. «Die Voraussetzungen, um den Zuschlag für Olympia zu erhalten, haben sich mit der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees drastisch verändert. Gigantismus wie in Sotschi, der das Volk abgeschreckt hat, wird es nicht mehr geben. Olympische Spiele müssen wieder einen humanen Umfang erhalten. Genau darum hat die Schweiz alles, um damit Erfolg zu haben», so Schild.

Gemäss Schild ist es deshalb nicht nötig, massiv in die Infrastruktur zu investieren. Er unterstrich, dass es denkbar sei, ein operationelles Budget zu haben, das sich selbst decke und das ohne Finanzierung aus öffentlichen Geldern auskomme. «Dieses Budget käme zu jeweils einem Drittel vom IOC, aus dem Sponsoring sowie aus dem Ticketverkauf und dem Merchandising.» Nicht dazu gehören indes Kosten, die zum Beispiel mit der Sicherheit zu tun haben. (sda)