Steve Guerdat am Ziel seiner Träume

«Wenn ich alles richtig mache, werde ich Olympiasieger.» Steve Guerdats Wunsch vor der Abreise nach London hat sich erfüllt. Sein Traum wurde Wirklichkeit. Der 30-jährige Jurassier sprang mit Nino des Buissionnets mit zwei fehlerfreien Finalrunden zum Olympiasieg.

Der seit 2007 in Herrliberg domizilierte Westschweizer beendete als einziger Reiter die beiden finalen Runden im Greenwich-Park in London makellos. Im Stechen um Silber und Bronze schwang der Holländer Gerco Schröder mit London gegen den Iren Cian O'Connor obenaus.

88 Jahre nach Gemuseus

Lange musste die Schweiz warten bis sie wieder einen Olympiasieger im Springreiten stellen konnte. Vor 88 Jahren triumphierte der Genfer Oberleutnant Alphonse Gemuseus auf dem Dienstpferd Lucette, das damals für 48 Pfund erworben wurde. 1928 gewann Charles Kuhn auf Pepita Bronze wie Heidi Robbiani-Hauri 1984 mit Jessica in Los Angeles. Und Willi Melliger bescherte der Schweiz 1996 in Atlanta mit seinem Ausnahmeschimmel Calvaro Einzel-Silber.

«Ein Traum wurde wahr. Ich bin da, wohin ich schon als kleines Kind immer hin wollte. Ohne Pferde könnte ich nicht leben. Nino sprang fantastisch. Er ist ein Genie. Ich bin so stolz auf ihn.» Die Worte sprudelten aus Steve Guerdats Munde. Der ehrgeizige Jurassier, der seiner Leidenschaft alles unterordnet und von sich selbst ungemein viel fordert, machte für den Schweizer Pferdesport beste Werbung. «Steve ist ein Könner, ein exzellenter Stilist. Er hat unglaublich viel Talent, ist fleissig, entschlossen, auf seine Ritte fokussiert und hat enorm gute Nerven. Mit Thomas Fuchs hat er einen ausgewiesenen Trainer. Er wird optimal betreut. Und er hat mit Nino ein geniales Pferd», lobt Equipenchef Urs Grünig seinen goldenen Schützling.

Zoom

Während den fünf Runden im Greenwich-Park streifte der Ende 2010 des Zürchers Financiers Urs E. Schwarzenbach auf Vermittlung von Thomas Fuchs erworbene Franzosen-Wallach Nino des Buissonnets nur zwei Stangen ab, jeweils nach leichten Berührungen. «Nino kann alles. Er ist ein Ausnahmepferd. Kein Hindernis ist ihm zu hoch. Nach einigen Wochen der Anpassung fanden wir uns immer besser. Jetzt harmonieren wir», rühmt Guerdat den elfjährigen braunen Wallach, der von Kannan aus der Narcos-Linie abstammt. Lange zweifelte Guerdat, ob er für Olympia Nino oder den Ende 2011 ebenfalls neu erworbenen Nasa oder Carpalo, die ebenfalls über beachtliche Qualitäten verfügen, vertrauen soll. Die Anwort gab ihm der zweite Schlussrang am Weltcupfinal im Frühjahr in 's-Hertogenbosch, als er sich im Stechen nur vom Amerikaner Rich Fellers mit Flexible bezwingen lassen musste.

Für Pius Schwizer mit Carlina und Paul Estermann mit Castlefield Eclipse endete der Einzelfinal enttäuschend. Schwizer musste sich mit total 9 Punkten mit Rang 12 begnügen, Estermann bei seiner Olympia-Première mit 10 Punkten Platz 17. Bei beiden wäre mehr möglich gewesen.