Geschlagene Schweizer - Janka als 8. bester Schweizer

Das Schweizer Männer-Team kam im Super-G von der Goldspur ab. Nach dem Abfahrts-Triumph von Didier Défago setzte es im zweiten Wettbewerb eine empfindliche Niederlage ab. Gold ging erstmals bei Olympia an den Norweger Aksel Lund Svindal.

Didier Cuche, vor rund einem Monat in Kitzbühel grosser Sieger des letzten Super-G vor Olympia, konnte seiner Favoritenrolle nicht gerecht werden. Der Neuenburger Super-G-Weltmeister reihte sich unmittelbar hinter seinen Teamkollegen Carlo Janka (8.) und Tobias Grünenfelder (9.) auf dem 10. Platz ein, Abfahrts-Olympiasieger Didier Défago wurde lediglich 15.

Noch selten in den letzten Jahren stellte sich den Fahrern eine derart schwierige Aufgabe wie auf der Piste Dave Murray. Keiner kam ohne Patzer durch, nicht einmal Aksel Lund Svindal: "Ich habe einen kleinen Fehler gemacht und während meiner Fahrt gedacht, dass es schwierig würde zu gewinnen. Doch alle anderen Fahrer kamen zu meinem Glück auch nicht fehlerfrei durch." Der Norweger legte dennoch eine stattliche Differenz zwischen sich und seinen ersten Verfolger. 28 Hundertstel nahm Svindal dem zweitplatzierten Bode Miller ab. Dahinter allerdings wurde es ungewöhnlich eng. Zwischen Miller und Grünenfelder auf Rang 9 lagen ebenfalls nur 28 Hundertstel.

Norwegens Tradition im Super-G

Svindal war die grosse Figur des Rennens. Einmal mehr machte er deutlich, dass er dann am stärksten ist, wenn es wirklich zählt. Nach Silber in der Abfahrt holte er sich nun erstmals Olympia-Gold. Weltmeister war der 27-jährige Norweger schon dreimal, dazu zweimal Weltcup-Gesamtsieger. Nun gibt es nichts mehr, was dem Skandinavier in seinem Palmars noch fehlt.

Svindal setzte die grosse Tradition der Norweger fort und wurde Nachfolger von Kjetil André Aamodt, der zuletzt in Salt Lake City und Turin Super-G-Olympiasieger geworden war und bereits 1992 ein erstes Mal triumphiert hatte. "Bei grossen Meisterschaften sind wir Norweger im Super-G super-stark", durfte Svindal zufrieden feststellen. Die Statistik gibt ihm Recht: Insgesamt vier der sieben seit 1988 ausgefahrenen Olympia-Rennen im Super-G gingen an Norwegen.

Die Schweizer mussten eine bittere Niederlage kommentieren. "Ich als Bester Achter, das ist nicht das Wahre", befand der Bündner Carlo Janka. "Ich habe es probiert, aber zu viele Fehler gemacht. Schade, der Abstand nach vorne wäre nicht so gross gewesen." 18 Hundertstel waren es nur, die ihn von der Bronzemdaille trennten, die ziemlich überraschend an den Amerikaner Andrew Weibrecht ging. "Ich hatte Mühe, zentral auf dem Ski zu bleiben", so Janka. Ganz so cool nahm er diesmal das Verdikt nicht: "Diese Niederlage wird mich schon noch etwas verfolgen."

Der Glarner Tobias Grünenfelder lag als Neunter im Rahmen der Erwartungen, wenngleich auch er "einiges hätte besser machen können." Im Weltcup war Grünenfelder nur in Kitzbühel als Sechster besser, doch bei Olympia zählen, das ist keine neue Erkenntis, eben nur die Medaillen.

Cuche zu wild, nicht locker genug

Didier Cuche stand sich wohl selber im Weg, die nötige Lockerheit konnte er im wichtigsten Moment nicht aufbringen. "Ich bin heute zu wild gefahren, immer wieder zu direkt. Das ist halt nicht schnell", machte Cuche in Selbstkritik. "Ich war deshalb im Ziel nicht überrascht über mein Abschneiden. Ich wollte wohl zu viel. Im Super-G hatte ich in dieser Saison nicht so gute Resultate wie in der Abfahrt. Aber jammern nützt nichts, nun gilt es den Riesenslalom vorzubereiten." Es wird Cuches letzte Chance sein.

Bode Miller tat es Svindal gleich und schaffte es wie schon in der Abfahrt aufs Podium. Bronze liess er Silber folgen. Dem Gold, es wäre sein erstes an Olympischen Spielen, trauerte er nicht nach: "Ich bin froh, dass ich mit den Hundertsteln auf der richtigen Seite bin. Ich hätte heute auch nur Fünfter werden können." Nur gerade fünf Hundertstel lag der viertplatzierte Italiener Werner Heel hinter Miller. Besonders happy war natürlich Andrew Weibrecht. "Ich war zwar im Weltcup im Super-G noch nie besser als Elfter. Doch ich habe immer daran geglaubt, dass ich eine Medaille gewinnen kann", sagte der 23-Jährige, der immer mit einem besonderen Ritual an den Start geht. Er schlüpft immer als erstes in den rechten Schuh, und auch bei den Ski muss es immer zuerst der rechte sein.

Die Schweizer waren beim Wunden lecken immerhin nicht allein. Noch viel härter traf es die Österreicher, die in der Abfahrt ohne Medaillen geblieben waren, dort aber mit Mario Scheiber ihren besten Mann immerhin auf Rang 4 gebracht hatten. Im gestrigen Super-G war Techniker Benjamin Raich der beste des Teams, als Vierzehnter. Michael Walchhofer jedoch, neben Cuche der wohl meistgenannte Tipp, stürzte völlig ab. Für ihn blieb nur Platz 21. "Ich habe alles versucht, mich aber nicht wohl gefühlt. Alles, was ich versucht habe, war vergebens. Ich bin schwer enttäuscht", lautete sein Kommentar. (si)

Resultate:

Super-G der Männer: 1. Aksel Lund Svindal (No) 1:30,34. 2. Bode Miller (USA) 0,28 zurück. 3. Andrew Weibrecht (USA) 0,31. 4. Werner Heel (It) 0,33. 5. Erik Guay (Ka) 0,34. 6. Christof Innerhofer (It) 0,39. 7. Patrick Staudacher (It) 0,40. 8. Carlo Janka (Sz) 0,49. 9. Tobias Grünenfelder (Sz) 0,56. 10. Didier Cuche (Sz) 0,72. 11. Ales Gorza (Sln) 0,73. 12. Kjetil Jansrud (No) 0,87. 13. Adrien Theaux (Fr) 0,90. 14. Benjamin Raich (Ö) 1,01. 15. Didier Défago (Sz) 1,09.

16. Ivica Kostelic (Kro) 1,13. 17. Georg Streitberger (Ö) 1,15. 18. Andrej Sporn (Sln) 1,24. 19. Ted Ligety (USA) 1,36. 20. Mario Scheiber (Ö) 1,59. 21. Michael Walchhofer (Ö) 1,66. 22. Guillermo Fayed (Fr) 1,69. 23. Marco Sullivan (USA) und Jan Hudec (Ka) 1,75. 25. Lars Elton Myhre (No) 2,02. 26. Ivan Ratkic (Kro) 2,33. 27. Ferran Terra (Sp) 2,41. 28. Alexander Horoschilow (Russ) 2,50. 29. Craig Branch (Au) 2,55. 30. Jono Brauer (Au) 2,58. -- 63 Fahrer gestartet, 45 klassiert; ausgeschieden: u.a. Stephan Keppler (De), Peter Fill (It), Manuel Osborne-Paradis (Ka), Andrej Jerman (Sln), Robbie Dixon (Ka), Patrik Järbyn (Sd).