Schweizer Hoffnungen erfüllten sich auch im Super-G nicht

Die Schweizerinnen werden die Heimreise ohne Medaillen antreten müssen. Nadia Styger wurde im Super-G als beste Vertreterin von Swiss-Ski Sechste. Die Österreicherin Andrea Fischbacher gewann Gold vor der nicht minder überraschenden Slowenin Tina Maze und Top-Favoritin Lindsey Vonn.

Die Zuversicht im Schweizer Lager war gross gewesen. Fabienne Suter hatte die Hoffnung auf einen Schweizer Podestplatz zusätzlich genährt. Die Schwyzerin hatte einen Medaillengewinn zum klaren Ziel deklariert -- eine berechtigte Vorgabe für eine Fahrerin, die seit zwei Jahren zu den Allerbesten in der Sparte Super-G gehört. Die Realität war eine andere. Fabienne Suter fand nie ihren Rhythmus, büsste auf allen Streckenteilen Zeit ein und musste sich mit über zwei Sekunden Rückstand mit Rang 13 bescheiden. "Ich hatte keinen Plan für diesen Super-G. So geht es nicht. Mir unterliefen so viele Fehler, dass ich schon vor dem Blick auf die Anzeigetafel wusste, dass dies nie und nimmer zu einer Medaille reichen würde", berichtete die 25-Jährige.

Ihren Frust kann sich Fabienne Suter im eigenen Dorf teilen. Nadia Styger, die ebenfalls in Sattel wohnt, war nach dem Verdikt den Tränen nahe. Die erhoffte Steigerung nach der Enttäuschung in der Abfahrt gelang zwar. Nadia Styger ging aggressiver zu Werk, doch für Bronze war sie um 37 Hundertstel zu langsam. "Zum Glück bin ich noch in den sechsten Rang zurückgefallen. Vierte zu werden hätte wohl noch mehr weh getan", sagte die 31-jährige Teamseniorin. Zu viele Fehler unterliefen auch Andrea Dettling. Gleichwohl war die Einsiedlerin noch einen Hauch schneller als Fabienne Suter, was zu Platz 12 reichte. Nadja Kamer verschwand wie in der Kombinations-Abfahrt vorzeitig von der Bildfläche. Nach rund 20 Fahrsekunden kam für die vierte Fahrerin des Schwyzer Quartetts nach einem Torfehler das Aus.

Lindsey Vonn weit weg von Gold

Super-G, das war in den vergangenen zwei Jahren die Disziplin von Lindsey Vonn schlechthin. In dieser Zeitspanne gewann die Amerikanerin acht der zehn Prüfungen, die WM eingerechnet, und klassierte sich je einmal als Zweite und Dritte. Was sich als olympischer Selbstläufer angekündigt hatte, endete mit Bronze -- aber keineswegs der allgemein erwarteten Enttäuschung. Für einmal lag auch für Lindsey Vonn der Sieg in weiter Ferne. Andrea Fischbacher war 74 Hundertstel schneller. "Ich habe eine zweite Medaille gewonnen. Das ist doch gut und macht mich stolz. Ich glaube nicht, dass ich es hätte besser machen können", sagte die Speed-Queen.

Die "Niederlage" von Lindsey Vonn überraschte. Nicht unerwartet kam aber, dass ihre "Bezwingerin" Andrea Fischbacher heisst. Die Salzburgerin hatte die Amerikanerin schon Ende Januar im Super-G im Rahmen der Super-Kombination in St. Moritz in die Schranken gewiesen und so ihre Stärke eindrücklich demonstriert. Die Olympiasiegerin schlug Lindsey Vonn mit deren "eigenen Waffen"; auch Andrea Fischbacher bestreitet die Super-G mit Männer-Ski. "Als ich nach dem Abschwingen die '1' aufleuchten sah, wars einfach nur geil", entfuhr es der Pongauerin. "Vorerst hatte ich nämlich gedacht: 'Scheisse, da waren wohl ein paar Fehler zu viel in meiner Fahrt'."

Andrea Fischbacher sorgte mit ihrem Triumph dafür, dass der Super-G bei Olympia die Domäne der Österreicherinnen bleibt. Vor vier Jahren hatte Michaela Dorfmeister als bisher einzige Fahrerin beide Speed-Rennen dominiert. Für ihre Nachfolgerin hatte der erste Auftritt enttäuschend geendet. Um drei Hundertstel hatte sie als Vierte die Bronzemedaille verpasst. (si)

Resultate:

Super-G der Frauen: 1. Andrea Fischbacher (Ö) 1:20,14. 2. Tina Maze (Sln) 0,49 zurück. 3. Lindsey Vonn (USA) 0,74. 4. Johanna Schnarf (It) 0,85. 5. Elisabeth Görgl (Ö) 1,00. 6. Nadia Styger (Sz) 1,11. 7. Lucia Recchia (It) 1,29. 8. Maria Riesch (De) 1,32. 9. Julia Mancuso (USA) 1,36. 10. Ingrid Jacquemod (Fr) 1,63. 11. Anja Pärson (Sd) 1,84. 12. Andrea Dettling (Sz) 1,89. 13. Fabienne Suter (Sz) 2,02. 14. Elena Fanchini (It) 2,03. 15. Gina Stechert (De) 2,07.

16. Anna Fenninger (Ö) 2,16. 17. Britt Janyk (Ka) 2,75. 18. Leanne Smith (USA) und Carolina Ruiz Castillo (Sp) 2,91. 20. Chemmy Alcott (Gb) 3,32. 21. Mona Löseth (No) 3,83. 22. Aurélie Revillet (Fr) 3,94. 23. Agnieszka Gasienica (Pol) 4,17. 24. Elena Prosteva (Russ) 4,29. 25. Alexandra Coletti (Mon) 4,42. 26. Jessica Lindell- Vikarby (Sd) 4,69. 27. Georgia Simmerling (Ka) 5,07. 28. Viktoria Rebensburg (De) 5,09. 29. Klara Krizova (Tsch) 6,32. 30. Jelena Lolovic (Ser) 6,53. -- 53 Fahrerinnen gestartet, 38 klassiert; ausgeschieden: u.a. Nadja Kamer (Sz), Emily Brydon (Ka), Marusa Ferk (Sln), Nicole Schmidhofer (Ö), Marie Marchand-Arvier (Fr), Daniela Merighetti (It).