«Beijing 2008» Medaillenerwartungen übertroffen, gelungenes Gesamtergebnis

Peking, 24. August 2008. Das Schweizer Team hat die Vorgaben für die Olympischen Sommerspiele vom 8. bis 24. August 2008 mehr als erfüllt: Fünf Medaillen waren das Ziel, mit sechs kehrt das Swiss Olympic Team 2008 heim. Die medizinische Bilanz fällt äusserst positiv aus: Die klimatischen Bedingungen waren weit besser als erwartet und es gab nur wenige schwerwiegende Krankheits- und Verletzungsfälle.

Für Chef de Mission Werner Augsburger ist klar: «Olympische Spiele sind und bleiben unberechenbar. Nirgendwo sonst gibt es so viele Überraschungsresultate wie an den nur alle vier Jahre stattfindenden Spielen mit ihren teilweise ungewohnten Abläufen.» Es habe sich einmal mehr gezeigt, dass nicht jeder Athlet am Tag X seine persönliche Bestleistung abzurufen vermöge und die speziellen Bedingungen wie die Unterbringung mit Athleten aus anderen Sportarten einigen Schwierigkeiten bereite.

Auch Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic, der viele der Wettkämpfe vor Ort mitverfolgt hat, ist zufrieden: «Die Organisation war wie erwartet perfekt, die Medaillenziele wurden in der ersten Woche bereits erreicht».

Sehr gute Schweizer Leistungen

Das Schweizer Team hatte sich fünf Medaillen als Ziel gesetzt, mit sechs Auszeichnungen kehrt es nun heim. Gold gewannen Fabian Cancellara im Rad-Einzelzeitfahren sowie Roger Federer und Stanislas Wawrinka im Tennis-Doppelwettbewerb. Cancellara holt dazu im Strassenrennen eine Bronzemedaille, ebenso Karin Thürig im Rad Einzelzeitfahren und Judoka Sergei Aschwanden sowie Nino Schurter im Mountainbike. Das Pferdesportteam hingegen verpasste den dritten Platz knapp, auch wenn sich die Medaillenhoffnung durch eine mögliche Disqualifikation anderer Teams wegen Doping durch Nachrücken noch erfüllen könnte. Das Star-Segelteam konnte die hohen Ziele, die es sich selbst gesetzt hatte, nicht erfüllen und holt mit Platz fünf ein Diplom. Ebenfalls ein olympisches Diplom gewannen Mountainbiker Christoph Sauser (4.), Kunstturnerin Ariella Käslin (5. im Sprung), Seglerin Nathalie Brugger (6. im Laser Radial), Mountainbikerin Petra Henzi (6.), Schwimmer Dominik Meichtry (6. im 200m Freistil), Marathonschwimmerin Swann Oberson (6. im 10km-Marathon), Marathonläufer Viktor Röthlin (6.), die Triathletinnen Nicola Spirig (6.) und Daniela Ryf (7.) sowie Radfahrerin Priska Doppmann mit gleich zwei Diplomen (7. im Strassenrennen und 8. im Einzelzeitfahren).
 

Selektionskonzepte – auf dem richtigen Weg

Chef de Mission Werner Augsburger ist mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden: «Der Erfolg zeigt uns, dass wir mit unseren Selektionsrichtlinien auf dem richtigen Weg sind.» Dennoch müsse die Nationenranking-Zielsetzung Top 25 aufgrund der enormen Konkurrenz an Sommerspielen im Exekutivrat von Swiss Olympic überprüft werden. Im Herbst finden nun die nächsten Strategiegespräche mit den Verbänden statt. Bis Anfang 2009 wird der Exekutivrat von Swiss Olympic die Einstufung der Sommersportarten verabschieden. Die Leistungsrichtlinien für die nächsten Olympischen Sommerspiele 2012 in London werden voraussichtlich nach den Winterspielen 2010 verabschiedet. Künftig soll auch die Einflussnahme durch die Verbandsberater von Swiss Olympic in der Olympiavorbereitung mit den Verbänden noch verstärkt werden. Beispielsweise war die intensive Zusammenarbeit mit Swiss Cycling im Vorfeld von Peking sehr konstruktiv und für alle Beteiligten wertvoll.

 

Hervorragende medizinische Versorgung

Sehr zufrieden ist Dr. Beat Villiger, in Peking zum letzten Mal als Chief Medical Officer dabei. Das Medicalcenter mit eigenem Labor, Therapie-Einrichtungen (Physiotherapie, Massage, Osteopathie, Komplementärmedizin) und Apotheke habe sich bewährt. Bewährt hat sich auch die Zusammenarbeit mit anderen Nationen sowie mit dem Organisationskomitee BOCOG und der modernen Poliklinik im olympischen Dorf in Peking. Insgesamt behandelte das Team aus fünf Ärzten und neun Physiotherapeuten 53 Athletinnen und Athleten, teilweise mehrfach. Vier schwerere Fälle waren darunter: Schlüsselbeinfraktur von Radfahrer Michael Albasini, akute Angina bei Leichtathlet Andreas Kundert, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung von Radfahrer Franco Marvulli und ein Hitzestau mit Kreislaufschwäche bei Florian Vogel. Aufgrund eines Virus, das für Infektionen der Atemwege sorgte, wurden zehn Personen vorsorglich in einer Quarantänestation isoliert. Bewährt hat sich auch der sportpsychologische Dienst, der von Jörg Wetzel nach den letzten Winterspielen in Turin erstmals auch an Sommerspielen angeboten wurde und rege in Anspruch genommen wurde.

Die klimatischen Bedingungen waren weit weniger schlimm als befürchtet: Zwar herrschte vor den Spielen, während den ersten Wettkampftagen und am Schluss der Spiele grosse Hitze und Feuchtigkeit, doch haben sich die Adaptationsmassnahmen (frühe Anreise, Saltix) bewährt. Die erwarteten Durchfallserkrankungen blieben aus. Auch der Smog war insbesondere im Vergleich zu den vorolympischen Wettkämpfen deutlich weniger ausgeprägt als erwartet und erreichte auf der Skala zwischen 0 bis 5 Werte von 2 bis 4. Die Massnahmen des BOCOG (Reduktion Verkehr, Schliessung von Fabriken und Kraftwerken) sowie Nordwind und viele Niederschläge verbesserten die Situation deutlich. Allerdings nahm die Luftqualität in der zweiten Woche wieder ab, was zu einer starken Zunahme von Atemwegserkrankungen führte.

 

Fazit und Ausblick

Ein paar Lehren für die nächsten Sommerspiele sind bereits gezogen. Werner Augsburger: «Die zweite Woche ist anders, viele Athleten haben ihre Wettkämpfe hinter sich und geniessen die Zeit im Team. Dadurch entsteht Unruhe und es besteht die Gefahr, dass sich Athleten nicht mehr in Ruhe vorbereiten können. Diesem Fakt müssen wir Rechnung tragen.» Augsburger denkt daran, die Athleten 48 Stunden nach ihrem Wettkampfende heimzuschicken oder drei fixen Rückreisedaten festzulegen.

Aus organisatorischer Sicht ist sich das Führungsteam einig, dass eine permanente IT-Betreuung vor Ort eine grosse Hilfe ist, nicht zuletzt auch deshalb, weil inzwischen fast alle Athletinnen und Athleten ihren eigenen Laptop dabei haben und für technische Unterstützung dankbar sind.

Für die nächsten Olympischen Spiele stehen personelle Wechsel an. Nachdem er an sieben Olympischen Spielen als Chief Medical Officer (CMO) im Einsatz war, verlässt Dr. Beat Villiger das Swiss Olympic Team. Künftig wird das Amt von zwei Ärzten wahrgenommen, von Dr. Christian Schlegel für die Winterspiele und von Dr. Kerstin Warnke für die Sommerspiele. Martin Rutishauser gibt mit dem Ausscheiden aus dem Exekutivrat von Swiss Olympic im kommenden Herbst auch sein Amt als Generalsekretär für olympische Belange ab. Dieses wird künftig von Marc-André Giger, CEO von Swiss Olympic, wahrgenommen.