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Velodrome

Schneller, höher, stärker – und gut für alle

Was haben Olympische Spiele mit Klimawandel, sozialem Engagement und gesundem Lebenswandel zu tun? Ganz viel, sind die Organisatoren von «London 2012» überzeugt. Das LOCOG hat sich zum Ziel gesetzt, die nachhaltigsten Olympischen Spiele der Geschichte zu realisieren.

Die Nachhaltigkeit war bereits ein zentrales Thema, als London 2005 den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 bekam. Man versprach, in der englischen Metropole die ersten wirklich nachhaltigen Spiele zu veranstalten. Kein leichtes Unterfangen, denn schliesslich reden wir vom grössten Sportanlass der Welt, in den unzählige Partner und Drittfirmen involviert sind.

Seit Beginn der Vorbereitungen folgt «The London 2012 Organising Committee» (LOCOG) einem minutiösen Nachhaltigkeitsplan, um sein Versprechen einzulösen. Dieser basiert auf den «British Standards 8901: Sustainability Management Systems for Events». Darin sind Anforderungen für Sportveranstaltungen definiert, die neben der ökologischen und ökonomischen besonderes Augenmerk auf die soziale Dimension legen.

Weniger Emissionen

Zur Minimierung von CO2-Emissionen erstellte das LOCOG einen so genannten «Carbon Footprint» für die gesamte Phase zwischen 2005 bis 2012. Der CO2-Fussabdruck hilft, die Klima- und Umweltauswirkungen der Spiele abzuschätzen und sie zu minimieren. Dies betrifft die Durchführung der Spiele genauso wie die Aufbauarbeiten im Vorfeld und die spätere Weiternutzung der olympischen Sportstätten.

Baumaterialien wurden im Prozess als besondere Belastung identifiziert. Dank dieser Sensibilisierung konnten beispielsweise beim Bau des Velodromes durch eine leichte Dachkonstruktion 1000 Tonnen Stahl eingespart werden. Auch wurden für den Bau des Olympic Parks wann immer möglich Recycling-Materialien verwendet und auf grösstmögliche Energieeffizienz geachtet.

Weiter ist man auf gutem Weg, mit entsprechenden Massnahmen den Trinkwasserverbrauch um mehr als 40 Prozent zu reduzieren. Hingegen wird man das Ziel, 20 Prozent der während der Spiele benötigten Energie über erneuerbare Quellen zu gewinnen, nicht erreichen können.

Weniger Abfall

Die Spiele sollen möglichst wenig Abfall produzieren. Ziel ist, dass vom Müll, der in den geschlossenen Venues anfällt, mindestens 70 Prozent wiederverwendet, rezykliert oder kompostiert werden. Zu diesem Zweck fördert das LOCOG in East London neue Infrastruktur zur besseren Müllverwertung und die grundsätzliche Sensibilisierung der Bevölkerung für einen Lebensstil, der weniger Abfall produziert.

Ebenfalls kommt hier den Partnern eine zentrale Rolle zu: So wurde in einem von zahlreichen Testverfahren die Energie aus dem Müll von 145 McDonald´s-Restaurants zurückgewonnen, um damit Wohnhäuser zu heizen und das nationale Stromnetz zu speisen. Eine solche Rückgewinnung reduziert die CO2-Emissionen um 50 Prozent und bringt den Mülldeponien 15‘000 Tonnen weniger Abfall pro Jahr.

Bessere Lebensbedingungen in East London

Ein weiteres Ziel ist, dass «London 2012» alle Bevölkerungsgruppen integriert, Arbeitsplätze schafft und neue Einnahmequellen generiert. So ist gut ein Fünftel des LOCOG-Personals in einem der sechs Gastgeberbezirke zuhause. Über zehn Prozent der gesamten Belegschaft waren vorher arbeitslos.

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Olympic Village

Die Bewohnerinnen und Bewohner der ärmeren Bezirke im Osten Londons, neben Briten viele Einwanderer aus aller Welt, sollen von den Olympischen Spielen auch langfristig profitieren. Der Olympic Park bildet unterdessen die viertgrösste Grünfläche Londons. Im Athletendorf entstehen nach den Spielen über tausend Sozialwohnungen. Viele der Neubauten im Park, die im Herbst 2012 nicht wieder abgebaut werden, stehen der Bevölkerung für Konzerte, Sport- und sonstige Anlässe zur Verfügung. Auch sollen 85 Prozent aller Jobs, die es nach den Spielen im Olympic Park geben wird, mit Leuten besetzt werden, die in East London verwurzelt sind.

Kommunikation und Zusammenarbeit

Die Wirksamkeit von sozialen Bestrebungen steht und fällt mit einer gut funktionierenden Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Die Leute wollen über ein angemessenes Mitbestimmungsrecht verfügen, wenn es um Entwicklungen in ihrer Nachbarschaft geht. Nur so werden Massnahmen umgesetzt, die ihnen auch wirklich dienen.

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Olympic Village

Aus diesem Grund gab es einen regelmässigen Austausch zwischen den Organisatoren und der Einwohnerschaft, wo diese sich einbringen konnte. Ein Resultat aus solchen Treffen ist, dass die Handballarena später unter anderem für grosse indische und pakistanische Hochzeiten genutzt werden kann. Dass man die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner von Anfang an ernst nahm, sicherte dem LOCOG im Gegenzug die breite lokale Unterstützung für den Riesenanlass und die damit einhergehenden Veränderungen.

Förderung des Breiten- und Leistungssports

Selbstverständlich soll «London 2012» auch über East London und den Olympic Park hinaus positive Wirkung entfalten. Die Olympischen Spiele dienten als Botschafter und Inspiration für ein aktives, gesundheitsbewusstes Leben, ist das LOCOG überzeugt. In enger Zusammenarbeit mit der britischen Regierung und anderen Institutionen wird eine ausgewogene Förderung des Breiten- und des Leistungssports angestrebt.

Mit entsprechenden Initiativen soll unter anderem dem kompetitiven Sport in der Schule wieder mehr Bedeutung verliehen werden. Landesweit werden öffentliche Sportstätten renoviert oder neu gebaut und es wird in die Trainerrekrutierung investiert. Damit will man insbesondere auch minderprivilegierten Kindern mehr Trainingsmöglichkeiten bieten.

Und die Spiele selbst werden hoffentlich das Ihre zur höheren Aktivität in der Gesellschaft beitragen: Sie werden Heldinnen und Helden hervorbringen, welche die Jugendlichen zum Sporttreiben motivieren. Mit dem Traum im Kopf, in Zukunft selbst einmal aufs olympische Podest steigen zu dürfen.

Viel «Best Practice»

Ob das LOCOG all die hochgesteckten Ziele erreichen kann, wird sich zeigen. Gewiss ist, dass durch die hohe Priorität, die das LOCOG allen Dimensionen der Nachhaltigkeit in der Organisation von Beginn weg eingeräumt hat, viel «Best Practice» entsteht. Damit leistet «London 2012» einen wichtigen Beitrag, damit die Nachhaltigkeit und die Rücksicht auf lokale Bedürfnisse auch in künftigen Austragungen der Olympischen Spiele gross geschrieben werden.