Vancouver ist fest in Schweizer Hand

Während der öffentliche Fokus momentan ganz auf Peking gerichtet ist, laufen bei Swiss Olympic bereits erste Vorbereitungen für die Winterspiele in Vancouver 2010. Zurück von der dritten Rekognoszierungs-Reise spricht Susanne Böhlen über ihre Aufgaben als «Head of Olympic Team Support», über die Unterschiede zwischen Peking und Vancouver und über die ersten Schweizer Erfolge in Vancouver.

Susanne Böhlen, was sind Ihre Aufgaben als «Head of Olympic Team Support»?

Ich kümmere mich um die gesamte Logistik und Organisation für das Swiss Olympic Team. Das beinhaltet zum Beispiel die gesamte Reiseplanung, die Bekleidung, die Meldungen für Akkreditierungen, die Organisation von allfälligen externen Unterkünften, Materialtransporte, Transporte vor Ort und Ähnliches mehr.

Was muss aktuell für Vancouver 2010 erledigt werden?

Wir haben von Vancouver die ersten Zuteilungen von Unterkünften erhalten und werden nun die genauen Bedürfnisse der einzelnen Sportarten evaluieren. Im Moment stehen auch das Design und die Beschaffung der Bekleidung an und zudem muss in den kommenden Monaten die Reiseorganisation in Angriff genommen werden.

Ende Februar und Anfang März 2008 war zum dritten Mal ein Team von Swiss Olympic in Vancouver. Was war das Ziel dieser Reise?

Wir wollten Vancouver unbedingt einmal im Februar, zum effektiven Zeitpunkt der Spiele, besuchen, damit wir sehen, welche Massnahmen wir noch ergreifen müssen, um für das Swiss Olympic Team die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Da gleichzeitig auch alpine Weltcuprennen stattfanden, war es zudem ein optimaler Zeitpunkt, um sich mit den Athleten und Trainern von Swiss-Ski auszutauschen und die Kontakte zu pflegen.

Weiter ging es bei dieser Reise darum, mögliche externe Unterkünfte in Vancouver und Whistler zu besichtigen, um danach rasch gute Verträge abschliessen zu können.

Auch das Kontakt-Knüpfen vor Ort, sei es zum VANOC (Vancouver Organizing Committee) oder zu anderen Stellen, war ein Ziel. In Vancouver gibt es eine sehr aktive Schweizer Gemeinschaft und so haben wir unter der Leitung von Generalkonsul Walter Deplazes einen «Swiss Evening» organisiert. Das Echo war überwältigend, rund 300 Schweizer haben den Abend besucht. Solche Kontakte und der Austausch von Informationen und Ideen sind für uns von grosser Bedeutung. Wir können in Vanouver auf eine grosse Unterstützung zählen und werden uns über viele Schweizer Fans freuen dürfen.

Die Vorbereitungen in Vancouver sind sehr weit fortgeschritten und auf verschiedenen Anlagen wurden bereits die ersten Wettkämpfe durchgeführt. Gibt es ein erstes Fazit zu diesen Anlässen?

Wir hatten die Möglichkeit, die alpinen Weltcup-Rennen in Whistler zu besuchen und zu sehen, in welchem Zustand die Wettkampfstätten zum heutigen Zeitpunkt sind. Die alpinen Rennen konnten erfolgreich durchgeführt werden. Der Sieg von Nadia Styger in der Abfahrt und der Podestplatz von Didier Cuche im Riesenslalom freuten uns natürlich besonders und sind hoffentlich ein gutes Omen für Vancouver 2010.

Die Vorbereitungen für die Sommerspiele in Peking kommen in die Endphase, gleichzeitig laufen schon die Vorarbeiten für Vancouver. Sommer in Peking, Winter in Vancouver: Was sind die augenfälligsten Unterschiede?

Die Sommerspiele sind mit 10'500 Athleten viel grösser als die Winterspiele mit rund 2500 Teilnehmern. Die Anforderungen an das Organisationskomitee sind entsprechend riesig. Für Swiss Olympic ist der Aufwand aber für Winterspiele trotzdem nicht kleiner als für Sommerspiele. An den Spielen in Athen im Sommer 2004 bestand die Schweizer Delegation aus 99 Athletinnen und Athleten, im Winter 2006 in Turino waren es mit den beiden Hockeymannschaften 130 Sportler.

In der Vorbereitung ist auch der Unterschied zwischen den verschiedenen Austragungsorten relevant. China und Kanada sind, was die Kultur betrifft, sehr unterschiedlich und dies ist auch in der Vorbereitung spürbar. Die kanadische Kultur liegt uns Schweizern viel näher als die chinesische. Beim Essen ist es viel leichter, aus der kanadischen Karte auszuwählen als in China ein Gericht zu finden. Die Organisation der Selbstversorgung (Kochen, Einkaufen) wird in Vancouver viel einfacher sein als in Peking. In Vancouver haben wir auch bei der Kommunikation viel weniger Probleme. In China ist sofort ein Übersetzer nötig. In Kanada werden in den meisten Wintersportarten regelmässig Wettkämpfe ausgetragen und die Athleten kennen das Umfeld bereits. Wettkämpfe in Peking sind dagegen für viele Athletinnen und Athleten eine Herausforderung.

In Peking ist die schlechte Luft ein grosses Problem für die Athleten. Gibt es auch in Vancouver ein besonderes Problem für die Athleten?

Wie bereits erwähnt kennen wir Kanada hinsichtlich der klimatischen Bedingungen aufgrund anderer Wettkämpfe bereits recht gut. Die Schneebeschaffenheit in Kanada ist nicht die gleiche wie in der Schweiz. In Zusammenarbeit dem Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos haben Swiss Olympic und Swiss-Ski ein Projekt lanciert, welches zum Ziel hat, die Wetter, Schnee- und Eisverhältnisse in Vancouver genau zu untersuchen, und Folgerungen für das Servicepersonal, die Trainer und die Athleten bereit zu stellen.