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«Lillehammer hat etwas Magisches»

Dominique Gisin steht an den Youth Olympic Games in Lillehammer (12. bis 21. Februar 2016) als «Athlete Role Model» im Einsatz. Die Abfahrtsolympiasiegerin von Sotschi 2014 wird die YOG-Athletinnen und –Athleten in Norwegen unter anderem im Umgang mit den sozialen Medien schulen. Sie kann den jungen Sportlerinnen und Sportlern aber auch genau sagen, was es braucht, um an die Spitze vorzustossen.

Die 48 Talente, die an die YOG in Lillehammer reisen, stehen am Anfang ihrer Sportkarriere. Du hast deine Laufbahn vor rund einem Jahr beendet. Welchen Ratschlag gibst du den jungen Athletinnen und Athleten auf den Weg an die Spitze?
Dominique Gisin: Sie sollen vor allem Freude haben an ihrem Sport und Leidenschaft zeigen! Gleichzeitig müssen sie aber auch bereit sein, für ihre Träume zu kämpfen, wenn es nötig ist. Das ist nicht immer einfach, doch es lohnt sich: Ich habe als Sportlerin ein wahnsinnig tolles Leben geführt.

Was unterscheidet einen Anlass wie die Olympischen Spiele oder in diesem Fall die YOG von einem normalen Wettkampf oder von einer Weltmeisterschaft?
Leider gab es die YOG noch nicht, als ich am Anfang meiner Karriere stand. Es wäre das Grösste gewesen, in diesem Alter, auf diesem Niveau Rennen zu bestreiten. Für mich waren die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver ein Schlüsselmoment. Dort kam ich mit Athletinnen und Athleten aus unterschiedlichsten Sportarten und aus den verschiedensten Ländern in Kontakt. Die meisten Sportler sind ja auch Fan von anderen Sportarten. Das heisst, man fiebert dann auch richtig mit vor Ort und freut sich über die Erfolge der anderen.

Birgt das nicht die Gefahr der Ablenkung vom eigenen Wettkampf?
Bei mir war das nicht so. Ich habe den Fokus zuerst auf meinen Einsatz gerichtet. Als dieser dann vorbei war, habe ich die anderen unterstützt.

Du bist an den Youth Olympic Games in Lillehammer als «Athlete Role Model» im Einsatz – als Vorbild für die YOG-Athletinnen und Athleten. Wie bist du zu dieser Funktion gekommen?
Der Internationale Skiverband FIS hat mich im vergangenen Sommer gefragt, ob ich diese Rolle übernehmen möchte. Nachdem klar war, dass es für mich vom Termin her passt, habe ich sehr gerne zugesagt. Ich freue mich auf die Zeit in Lillehammer. Ich war noch nie dort, und der Ort hat für mich seit den Olympischen Spielen 1994 etwas Magisches.

Du wirst in Lillehammer auch einen Workshop zum Thema Social Media leiten. Wie sollen junge Sportlerinnen und Sportler Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat usw. nutzen?
Die sozialen Medien stellen für die Athletinnen und Athleten eine Chance dar, sich auch mal von einer anderen Seite zeigen. Ich als Wintersportlerin habe zum Beispiel immer mal wieder Fotos aus dem Sommertraining gepostet. So haben die Leute gesehen, dass wir nach der Saison nicht einfach nur am Strand liegen, sondern uns bereits wieder auf den nächsten Winter vorbereiten. Ausserdem habe ich versucht, die Medien ein bisschen zu steuern, etwa indem ich auf meinen Kanälen über Dinge berichtet habe, die mir wichtig sind.

Welche Gefahren bergen Facebook und Co.?
Man muss sicher aufpassen, keine Zeit zu verschwenden. Ich rate den jungen Athletinnen und Athleten auch immer, nur ganz bewusst etwas zu posten. Sie müssen sich im Klaren zu sein, dass ein Eintrag unter anderem von sehr vielen Menschen gelesen wird und kaum noch rückgängig gemacht werden kann.

Neben den Workshops bleibt dir in Lillehammer hoffentlich auch Zeit, die Rennen zu verfolgen. Mit welchen Emotionen wirst du an der Strecke stehen?
Einerseits kommt sicher ein bisschen Wehmut auf, wenn ich den jungen Fahrerinnen und Fahrern zusehe. Ein knappes Jahr nach meinem Rücktritt weiss ich ja noch genau, wie es sich anfühlt, ein Rennen zu bestreiten. Andererseits hat bei mir jetzt das Leben nach meiner Karriere begonnen und dieses gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Welches sind deine neuen Aufgaben?
Ich habe das Physikstudium an der ETH Zürich wieder aufgenommen und trainiere auch für die nächste Stufe meiner Pilotenlizenz. Zudem bin ich viel unterwegs als Botschafterin für das Schweizerische Rote Kreuz. 2015 habe ich Bolivien besucht, und im Januar 2016 war ich in Nepal. Ausserdem bin ich nach wie vor für meine Sponsoren im Einsatz. Und ach ja - ich habe zusammen mit meinem Mentaltrainer ein Buch geschrieben.