Gian Gilli: «Ich will die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen.»

Gian Gilli wird an den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 als «Head Coach» für alle sportlichen Belange des Schweizer Teams zuständig sein. Im Interview erklärt er die Aufgaben des «Head Coach», was seine Ziele und Erwartungen für Vancouver sind und wie er die ersten Wochen bei Swiss Olympic erlebt hat.

Gian Gilli, Sie haben am 1. Oktober 2009 Ihre neue Stelle als «Leiter Spitzensport und olympische Missionen» bei Swiss Olympic angetreten. Sind Sie schon angekommen im Haus des Sports?

Und ob, von 0 auf 100 in einem Tag! Die Beanspruchung ist sehr gross, die Materie sehr interessant und die Leute um mich herum sehr motiviert. Ich freue mich auf die Zukunft.

An den Olympischen Winterspielen in Vancouver im kommenden Februar wird Erich Hanselmann die Schweizer Delegation anführen, Sie sind als «Head Coach» für die sportlichen Belange zuständig. Was heisst das genau?

In Vancouver bin ich als «Head Coach» in erster Linie Ansprechpartner aller Teamchefs, was sportliche Fragen angeht. Vor Ort bin ich zudem für die Einsatzplanung zuständig und bin in alle Schnittstellen involviert, die den Sport beeinflussen wie beispielsweise das Management der beiden olympischen Dörfer. Bis Vancouver bin ich zudem zusammen mit der Selektionskommission für die Selektion der Athletinnen und Athleten verantwortlich. Erich Hanselmann kümmert sich parallel dazu um alle organisatorischen und logistischen Belange. Diese Arbeitsteilung ist für uns beide optimal.

Die Winterspiele beginnen in drei Monaten. Was wollen und können Sie im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Vancouver in dieser kurzen Zeitspanne noch bewegen?

Wollen wie immer viel und können ein bisschen weniger. Vieles wurde aber schon sehr gut vorbereitet. Im Vordergrund stehen zum einen der Selektionsprozess und zum anderen viele organisatorische Aufgaben, die mich stark auslasten werden. Besonders freue ich mich auf die Tagung aller Teamchefs von Mitte November, wo ich noch direkt Einfluss auf gewisse Dinge nehmen kann.

Die Vorbereitungen in Vancouver sind sehr weit fortgeschritten und auf verschiedenen Anlagen wurden bereits Wettkämpfe durchgeführt. Gibt es ein erstes Fazit aus Schweizer Sicht zu den Wettkampfstätten in Kanada?

An den hochmodernen Anlagen gibt es sehr wenig zu bemängeln, sie entsprechen den international geltenden Anforderungen. Eine Herausforderung hingegen könnte das Wetter werden. Die Nähe von Vancouver und Whistler zum Pazifik könnte gewisse Wetterkapriolen begünstigen.

Was sind die nächsten Schritte, die auf Ihrer Vancouver-Pendenzenliste stehen?

Wichtige Punkte sind die erwähnte Teamcheftagung Mitte November, die Besuche aller Disziplinenchefs und der Athleten sowie viele organisatorische Aufgaben und die ständige Verfolgung des Selektionsprozesses.

Mit welchen persönlichen Zielen gehen Sie nach Vancouver?

Ich habe nur ein Ziel: Ich will die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Athleten zum richtigen Zeitpunkt ihre beste Leistung abrufen können. Diesem Ziel ordne ich alles unter.

Unsere Skirennfahrer sind von Verletzungssorgen geplagt. Müssen wir uns im Hinblick auf die Spiele Sorgen machen?

Ich denke nicht. Sorgen mache ich mir eigentlich nur um Lara Gut, da sie von einer wirklich schweren Verletzung getroffen wurde. Ich sage das aber nicht im Hinblick auf Vancouver. Ein kurzfristiger Einsatz an den Spielen ist für mich sekundär, die Gesundheit von Lara ist viel wichtiger. Bis Vancouver kann selbstverständlich noch viel passieren. Hoffen wir, dass alles gut kommt.

Wie viele Medaillen holt die Schweiz in Vancouver?

Ich werde in meiner Funktion als «Head Coach» vor allem an gewonnenen Medaillen der Athletinnen und Athleten gemessen. Zielsetzung ist, die gleiche Anzahl Medaillen wie in Turin zu holen, also 14. Ich möchte aber vor allem gute Leistungen sehen, dann bin ich überzeugt, dass wir erfolgreich Medaillen sammeln werden.